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10.08.2011

© Heinrich Leeb 2004

 

 

 

Aus der Schulchronik...

Anlässlich der ersten landesweiten Schulvisitation im Jahre 1777 gab es am Wachsenberg schon eine Volksschule. Sie war auf Betreiben der zuständigen Landgerichtsherrschaft Himmelberg beim vlg. "Gienßger" errichtet worden. Die Schulaufsicht tadtelte allerdings die entlegene Lage der Schule, die zudem von den Schülern nur 5-6 Wochen im Jahr besucht wurde, und schlug vor, diese in die Nähe der Pfarrkirche zu verlegen. Der Pfarrer und der Mesner seien zu "präparieren" (d.h. sie sollten eine Kurzausbildung an einer sogenannten "Normalschule" mitmachen), um für die Erteilung des Unterrichtes tauglich zu sein. Dazu kam es jedoch zunächst nicht. Laut der 1885 vom damaligen Lehrer Franz Wagner begonnenen Schulchronik soll Ende des 18. Jahrhunderts Jakob Biedermann vlg. Pogrätscher auf seinem Anwesen Unterricht erteilt haben. Ihm folgte Johann Biedermann vlg. Saleser, der die Mesnerei übernahm, worauf die Mesnerkeusche aufgestockt worden sei und das Obergeschoss fortan bis 1882 als Schulzimmer diente.

Mesnerkeusche
Die Mesnerkeusche am Wachsenberg,
in deren Obergeschoss von 1830-1882
die einklassige Volksschule untergebracht war.
Foto: J. Eichert (1990)

Der Schulbesuch war stark schwankend und lag zwischen 12 und 30 Schülern. Vermögendere Eltern zahlten dem Lehrer pro Semester einen Gulden Schulgeld; Ärmere waren davon befreit. Das Haupteinkommen des Lehrers bildete die Mesnerei mit einer winzigen Landwirtschaft und der Naturalkollektur (kleine Abgaben von Getreide und Fleisch von jedem Bauern). Erst 1844 erhielt die Schule Öffentlichkeitsstatus, ab 1862 erhielt der Lehrer einen Gehaltszuschuss von 58 Gulden jährlich von der Gemeinde. Ab der Verstaatlichung des Schulwesens durch das Reichsvolksschulgesetz von 1869 stieg sein Jahresgehalt auf 400 Gulden.
Unter Lehrer Franz Wagner (1882-1895) vollzogen sich einschneidende Veränderungen. 1882 übersiedelte die Schule in den Pfarrhof, ab 1887 gab es in Wachsenberg auch Werkunterricht (die Handarbeitslehrerin kam aus Tiffen) und seit 1888 unterwies der Lehrer seine Schüler auch in der Bienenzucht. Wie in Steuerberg war also auch am Wachsenberg ein initiativer Lehrer ausschlaggebend für die Einführung der modernen Imkerei.
1885 besuchten 59 Schüler die einklassige Volksschule im Pfarrhof. Der 1897 vom Ortsschulrat beschlossene Bau eines eigenen Schulhauses stieß auf erhebliche Widerstände, so dass der Neubau erst 1903 bezogen und 1904 offiziell eingeweiht werden konnte. Die 14 neuen Bänke und das übrige Mobiliar fertigte der Wachsenberger Tischlermeister Leopold Gruber. 1903 besuchten 45 Kinder die neue Schule, von denen jedoch 14 (4 Knaben und 10 Mädchen) sommerbefreit waren und zu Hause in der Landwirtschaft arbeiten mussten. Ab 1914 wurde die Schule zweiklassig geführt und hatte 94 Schüler. Die beiden Lehrer wurden jedoch gleich nach Kriegsbeginn zum Heer eingezogen. Vier Jahre lang unterrichtete daraufhin der 1913 pensionierte Steuerberger Schuldirektor Johann Stelzl beide Wachsenberger Klassen.
1925 übernahm der aus Klagenfurt stammende Franz Wewerka (1905-1947) die inzwischen wieder einklassig geführte Schule. Angeregt durch seine Lehrer auf der Lehrerbildungsanstalt (u.a. der Volkskundler Dr. Georg Grabner) sammelte Wewerka in seiner Wachsenberger Dienstzeit systematisch Belege über Sprichwörter, Dialektausdrücke, Aberglauben, Orakel, Wetterregeln, Rätsel, Lieder, Sagen, bäuerliche Architekturformen usw. Er betrieb damit moderne Feldforschung im besten Sinn und hinterließ auch zahlreiche einzigartige Fotos einer längst untergegangenen bäuerlichen Welt. Sein Nachlass befindet sich seit kurzem im Kärntner Landesarchiv.
Ab 1946 stand die Volksschule Wachsenberg jahrzehntelang unter der Leitung von OSR VD Friedrich Beer. Die Einrichtung des Schulgebäudes konnte 1952 modernisiert werden (Elektrifizierung 1955). Im Zusammenwirken mit dem engagierten Elternverein konnten alle Pläne, die einklassige Volksschule zu schließen, erfolgreich abgewehrt werden.
1986 übernahm Heinrich Leeb die Schulleitung. Seit dem Schuljahr 1987/88 wird die Schule wieder zweiklassig geführt. (1. Klasse: Erna Dietrichsteiner)


Auch in der alten Klasse war es ganz
gemütlich.

In den Jahren 1994/95 wurde das alte Schulgebäude modernisiert und beträchtlich erweitert. Durch Grundzukauf konnte auch ein Turnplatz, sowie ein Kinderspielplatz errichtet werden.


Schuleinweihung am 29. Juni 1996


Große Freude über den gelungenen Zubau


Bedingt durch die starke Neubautätigkeit am Wachsenberg sind die Schülerzahlen in den letzten Jahren wieder steigend.
Die Schule ist im örtlichen kulturellen Geschehen ein unverzichtbarer Partner. Gemeinsam mit dem Elternverein und der Dorfgemeinschaft organisiert sie eine ganze Reihe von Veranstaltungen im Jahreslauf: Erntedankfeier, Nikolausaktion, Adventfeier, Kinderfasching, Wachsenberger Jugendsingen, Zeichen- und Malwettbewerbe, Radgeschicklichkeitsfahren, Ausbildungskurse in Schilauf und Schwimmen, Radfahrprüfungen uam.
Von  August 2000 - September 2003 wurde an dem europäischen Bildungsprogramm "Comenius" zum Thema "Jahreszeiten und Wetter" gearbeitet. Dabei wurden intensive Kontakte zu den Partnerschule in Moorriem (Norddeutschland) und Brearedsskolan in Simlangsdalen (Schweden) gepflegt.
[Siehe Link zu Comenius]

Text: Dr. Wilhelm Wadl; VD Heinrich Leeb
 

 

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