Aus der Schulchronik...
Anlässlich der ersten landesweiten Schulvisitation
im Jahre 1777 gab es am Wachsenberg schon eine Volksschule. Sie war auf
Betreiben der zuständigen Landgerichtsherrschaft Himmelberg beim vlg. "Gienßger"
errichtet worden. Die Schulaufsicht tadtelte allerdings die entlegene Lage
der Schule, die zudem von den Schülern nur 5-6 Wochen im Jahr besucht wurde,
und schlug vor, diese in die Nähe der Pfarrkirche zu verlegen. Der Pfarrer
und der Mesner seien zu "präparieren" (d.h. sie sollten eine Kurzausbildung
an einer sogenannten "Normalschule" mitmachen), um für die Erteilung des
Unterrichtes tauglich zu sein. Dazu kam es jedoch zunächst nicht. Laut der
1885 vom damaligen Lehrer Franz Wagner begonnenen Schulchronik soll Ende des
18. Jahrhunderts Jakob Biedermann vlg. Pogrätscher auf seinem Anwesen
Unterricht erteilt haben. Ihm folgte Johann Biedermann vlg. Saleser, der die
Mesnerei übernahm, worauf die Mesnerkeusche aufgestockt worden sei und das
Obergeschoss fortan bis 1882 als Schulzimmer diente.

Die Mesnerkeusche am Wachsenberg,
in deren Obergeschoss von 1830-1882
die einklassige Volksschule untergebracht war.
Foto: J. Eichert (1990)
Der Schulbesuch war stark schwankend und lag
zwischen 12 und 30 Schülern. Vermögendere Eltern zahlten dem Lehrer pro
Semester einen Gulden Schulgeld; Ärmere waren davon befreit. Das
Haupteinkommen des Lehrers bildete die Mesnerei mit einer winzigen
Landwirtschaft und der Naturalkollektur (kleine Abgaben von Getreide und
Fleisch von jedem Bauern). Erst 1844 erhielt die Schule
Öffentlichkeitsstatus, ab 1862 erhielt der Lehrer einen Gehaltszuschuss von
58 Gulden jährlich von der Gemeinde. Ab der Verstaatlichung des Schulwesens
durch das Reichsvolksschulgesetz von 1869 stieg sein Jahresgehalt auf 400
Gulden.
Unter Lehrer Franz Wagner (1882-1895) vollzogen sich einschneidende
Veränderungen. 1882 übersiedelte die Schule in den Pfarrhof, ab 1887 gab es
in Wachsenberg auch Werkunterricht (die Handarbeitslehrerin kam aus Tiffen)
und seit 1888 unterwies der Lehrer seine Schüler auch in der Bienenzucht.
Wie in Steuerberg war also auch am Wachsenberg ein initiativer Lehrer
ausschlaggebend für die Einführung der modernen Imkerei.
1885 besuchten 59 Schüler die einklassige Volksschule im Pfarrhof. Der 1897
vom Ortsschulrat beschlossene Bau eines eigenen Schulhauses stieß auf
erhebliche Widerstände, so dass der Neubau erst 1903 bezogen und 1904
offiziell eingeweiht werden konnte. Die 14 neuen Bänke und das übrige
Mobiliar fertigte der Wachsenberger Tischlermeister Leopold Gruber. 1903
besuchten 45 Kinder die neue Schule, von denen jedoch 14 (4 Knaben und 10
Mädchen) sommerbefreit waren und zu Hause in der Landwirtschaft arbeiten
mussten. Ab 1914 wurde die Schule zweiklassig geführt und hatte 94 Schüler.
Die beiden Lehrer wurden jedoch gleich nach Kriegsbeginn zum Heer
eingezogen. Vier Jahre lang unterrichtete daraufhin der 1913 pensionierte
Steuerberger Schuldirektor Johann Stelzl beide Wachsenberger Klassen.
1925 übernahm der aus Klagenfurt stammende Franz Wewerka (1905-1947) die
inzwischen wieder einklassig geführte Schule. Angeregt durch seine Lehrer
auf der Lehrerbildungsanstalt (u.a. der Volkskundler Dr. Georg Grabner)
sammelte Wewerka in seiner Wachsenberger Dienstzeit systematisch Belege über
Sprichwörter, Dialektausdrücke, Aberglauben, Orakel, Wetterregeln, Rätsel,
Lieder, Sagen, bäuerliche Architekturformen usw. Er betrieb damit moderne
Feldforschung im besten Sinn und hinterließ auch zahlreiche einzigartige
Fotos einer längst untergegangenen bäuerlichen Welt. Sein Nachlass befindet
sich seit kurzem im Kärntner Landesarchiv.
Ab 1946 stand die Volksschule Wachsenberg jahrzehntelang unter der Leitung
von OSR VD Friedrich Beer. Die Einrichtung des Schulgebäudes konnte 1952
modernisiert werden (Elektrifizierung 1955). Im Zusammenwirken mit dem
engagierten Elternverein konnten alle Pläne, die einklassige Volksschule zu
schließen, erfolgreich abgewehrt werden.
1986 übernahm Heinrich Leeb die Schulleitung. Seit dem Schuljahr 1987/88
wird die Schule wieder zweiklassig geführt. (1. Klasse: Erna Dietrichsteiner)

Auch in der alten Klasse war es ganz
gemütlich.
In den Jahren 1994/95 wurde das alte
Schulgebäude modernisiert und beträchtlich erweitert. Durch Grundzukauf
konnte auch ein Turnplatz, sowie ein Kinderspielplatz errichtet werden.

Schuleinweihung am 29. Juni 1996

Große Freude über den gelungenen Zubau
Bedingt durch die starke Neubautätigkeit am Wachsenberg sind die
Schülerzahlen in den letzten Jahren wieder steigend.
Die Schule ist im örtlichen kulturellen Geschehen ein unverzichtbarer
Partner. Gemeinsam mit dem Elternverein und der Dorfgemeinschaft organisiert
sie eine ganze Reihe von Veranstaltungen im Jahreslauf: Erntedankfeier,
Nikolausaktion, Adventfeier, Kinderfasching, Wachsenberger Jugendsingen,
Zeichen- und Malwettbewerbe, Radgeschicklichkeitsfahren, Ausbildungskurse in
Schilauf und Schwimmen, Radfahrprüfungen uam.
Von August 2000 - September 2003 wurde an dem europäischen
Bildungsprogramm "Comenius" zum Thema "Jahreszeiten und Wetter" gearbeitet.
Dabei wurden intensive Kontakte zu den Partnerschule in Moorriem
(Norddeutschland) und Brearedsskolan in Simlangsdalen (Schweden) gepflegt.
[Siehe Link zu Comenius]
Text: Dr. Wilhelm Wadl; VD Heinrich Leeb